HEIAN SHODAN

HEIAN SHODAN – FRIEDEN UND RUHE, 1. STUFE.

Der ursprüngliche Name der Heian-Kata ist Pinan. Andere Karate-Stilrichtungen haben die Pinan-Bezeichnung beibehalten (Wadō-ryū, Shōrin-ryū, Shitō-ryū).

Frieden und Ruhe

Die Bezeichnung der Kata bezieht sich auf die geistige Haltung, die der Karateka durch ständiges Üben entwickelt. Durch die Beherrschung der Techniken, Konzepte und Strategien, die von der Kata vorgesehen sind, kann man eine solche Beherrschung und Zuversicht erreichen, die im realen Kampf eine ruhige geistige Haltung ermöglicht. Letzteres erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Sieges über einen geistig weniger starken Gegner. Es ist offensichtlich, dass ein entspannter Geist die Umsetzung von technischen und taktischen Kenntnissen ermöglicht, die eine gestresste Haltung zumindest teilweise blockieren und den positiven Ausgang des Kampfes gefährden würde.    

Nicht nur für Schüler

Die erste Grund-Kata darf weder als Lernmittel für Anfänger noch als Maßstab für Fortgeschrittene unterschätzt werden. Die ständige Wiederholung der Hauptbewegungen, welche Heian shodan bietet, muss den Karateka ein Leben lang begleiten. Nach vielen Jahren des Übens sollte man aufpassen, dass man nicht in die Falle der Arroganz tappt, indem man das Üben der ersten Kata vernachlässigt. Seine Ausführung läuft eine Entwicklung durch, die den Reifegrad des fortgeschrittenen Karateka, sogar des Meisters, erkennen lässt. Es ist ja auch eine Schulung in Demut.
In dem klassischen Buch von Meister Nakayama, das in der Bibliothek eines jeden Karateka vorhanden sein sollte, spricht der Schüler von Meister Funakoshi von einem Experiment, das in der Mitte des letzten Jahrhunderts durchgeführt wurde. Darin wurde die Technik des Oi zuki, die in der Heian shodan siebenmal vorhanden ist, analysiert. Diese Fausttechnik, die von einem Experten mit dem Niveau des 4. Dan ausgeführt wird, entwickelt eine Kraft von bis zu 700 kg, die sich auf die Oberfläche der Knöchel des Zeige- und Mittelfingers konzentriert! Von hier aus kann man leicht den Effekt der Wiederholung erkennen und damit die Wichtigkeit der Tatsache, dass sowohl Techniken als auch Kata (auch die grundlegenden) immer wieder trainiert werden sollten. 

Der erste Teil der Heian-Serie

Heian shodan ist die erste Kata der „Heian-Serie“, die aus insgesamt fünf Kata besteht.
Die Heian beinhalten die wichtigsten Grundtechniken der Shōtōkan-Schule.
Heian shodan lehrt hauptsächlich die zwei wichtigsten Stellungen (Zenkutsu dachi und Kōkutsu dachi), drei Grund-Abwehrtechniken (Gedan barai, Age uke und Shutō uke) und den ersten Angriff (Oi zuki). Außerdem wird das Sanbon-Prinzip geübt.

Sanbon-Prinzip

Sanbon-Techniken sind taktische Angriffs-Kombinationen, welche das Ziel verfolgen, den Gegner an eine Geschwindigkeit zu gewöhnen (bei den ersten zwei Angriffen), um sie dann zu beschleunigen und mit dem letzten Angriff zu überraschen.
Dazu werden in der Regel die Zielregionen unterschiedlich gewählt, um das Abwehren zusätzlich zu erschweren (Jōdan, Chūdan, Chūdan).

Wendungen

Zu den Wendungen, die man schon in Taikyoku shodan gelernt hat, kommen zwei weitere, auf 45° und 135°, beide in Kōkutsu dachi, hinzu.

Wichtiges Konzept

Zum Thema Bunkai ist zunächst wichtig ein fundiertes Verständnis für die Anwendung der Techniken zu entwickeln. Wenn der Karateka die effektive Lehre der Techniken einer Kata verinnerlicht hat, kann er sich auf die Suche nach eigenen Anwendungen begeben. Es gibt sehr viele Botschaften, welche die einzelnen Kata beinhalten. Um sie zu begreifen, soll das Thema Bunkai mit Demut angegangen werden. Das angesammelte Wissen kann später mit eigenen und vielleicht ausgefallenen Interpretationen personalisiert werden.

Mögliche Anwendung

Bei der Technik Nr. 3 – der Befreiung aus dem Griff zum Handgelenk – ist auf drei Dinge besonders zu achten.
Die Handdrehung muss sehr schnell erfolgen, wobei der Arm auf keinen Fall angewinkelt werden darf, und die Kreisbewegung muss sehr groß ausgeführt werden.
Wird einer diese Punkte vernachlässigt, funktioniert die Anwendung nicht.

Die Age-uke-Techniken (Nr. 7 bis 9) können z.B. auch Verteidigungen gegen Stockangriffe sein.
Anwendungen gegen Stock-Angriffe sollten jedoch erst in einem fortgeschrittenen Stadium in Betracht gezogen werden.

Dauer: circa 40 Sekunden

Passende Bücher und Poster dazu findest du hier:
Das Poster dazu findest du hier: